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Rapa Nui - Osterinsel Geschichte der Insel
...in the middle of nowhere...
Rund 3800km vom chilenischen Festland aus (oder etwas über 5 Std. Flug) liegt einsam mitten im Pazifik eine kleine Insel - Rapa Nui oder Osterinsel. Die nächste bewohnte Insel kommt dann knapp 2000km weiter (Pitcairne), die nächste mit einem Flughafen ist Tahiti, nochmal weitere 2200km über der unendlich scheinende Wasserwüste. Die Osterinsel (spanisch Isla de Pascua, polynesisch Rapa Nui) ist der isolierteste Fleck der Welt; nirgends gibt es einen Ort, der weiter von einer anderen menschlichen Ansiedlung entfernt liegt.
Rapa Nui zählt dabei zum polynesischen Dreieck, es bildet die südöstliche Spitze, die nördliche ist Hawaii und die südwestliche Neuseeland. Wie Rapa Nui besiedelt wurde, liegt im Dunkeln. Man vermutet, dass irgendwann in grauer Vorzeit, möglicherweise im 5.Jahrhundert n.Chr. Polynesier in ihren Segelbooten auf der Insel landeten und sie besiedelten. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht, nur einige deutliche Anzeichen: so sind die heutigen Nachfahren der Urbevölkerung eindeutig polynesischen Ursprungs und es gibt viele ähnliche Wörter in der Sprache Rapa Nui, die so oder fast gleich auch auf anderen weit entfernten Inseln in ganz Polynesien vorkommen . Irgendwann wurde mit der Errichtung der großen Steinfiguren (Moais) begonnen. Über den Sinn und Zweck kann man heute ebenfalls nur Vermutungen anstellen. So standen fast alle Figuren an der Küste und mit dem Rücken zum Meer. Sie sollten dabei das Inselinnere, also die Menschen dort, beschützen - dazu muss man die schon ansehen... Einige Wissenschaftler vermuten, dass es sogar geplant war, die ganze Insel von Steinfiguren einzufassen. Pater Sebastian Englert nummerierte und katalogisierte 638 Statuen, vermutlich waren es jedoch ursprünglich über 1000.
Die Insel war früher voll bewaldet, die Menschen haben aber einen grandiosen Raubbau an der Natur betrieben. Vermutlich für den Transport der Steinfiguren wurden die Palmwälder abgeholzt. Es gibt aber auch Forscher, die glauben, dass eine kleine Eiszeit oder die Einführung der polynesischen Ratte zu der ökologischen Katastrophe geführt hatte. Wie auch immer, auf alle Fälle war irgendwann der letzte Baum gefällt, der Boden war ausgelaugt und Regen und Wind trieb die Erosion stetig voran. Bald gab es nicht mehr genug zu Essen für die Menschen und damit begann ein unbarmherziger Krieg, in dem es auch zu Kannibalismus kam; irgendwas muss man ja schließlich essen... Zum Schluss der Stammeskriege wurden sämtliche Moais umgeworfen; symbolträchtig bis auf einen alle auf das Gesicht. Dieses Ende muss ziemlich plötzlich und heftig gekommen sein, so findet man heute in dem Steinbruch, aus dem die Figuren stammten, noch einige halb aus dem Fels geschlagene Moais. Die Menschen haben quasi mitten in der Arbeit den Hammer fallen gelassen bzw. gegen den Nachbarn eingesetzt...
Entdeckt wurde die Insel dann von dem Holländer Jakob Roggeveen, der im Auftrag der Westindischen Handelskompanie am Ostersonntag, den 5. April 1722 mit drei Schiffen dort landete. Er nannte sie Paasch-Eyland (Osterinsel), nach dem Tag der Entdeckung. Während seiner zweiten Südseeexpedition besuchte auch James Cook vom 13. bis 17. März 1774 die Osterinsel. Er war aber wenig begeistert, zu wenig Annehmlichkeiten für die damalige Seefahrt. Davor waren schon die Spanier da gewesen und hatten die Insel annektiert, aber später das Interesse an ihr verloren. Danach kamen noch kurz die Franzosen.
Die von den europäischen Entdeckern eingeschleppten Krankheiten wie Grippe und Syphilis bewirkten einen stetigen Bevölkerungsrückgang auf der Osterinsel. Ein besonders dunkles Kapitel sind die Raubzüge peruanischer Sklavenhändler in den Jahren 1859 bis 1861, die vermutlich mehr als 1.500 Insulaner als Zwangsarbeiter zum Guano-Abbau auf die Chinches-Inseln (Islas Chincha) vor Peru verschleppten. Dies und die Verbreitung der Pocken durch die wenigen Rückkehrer, führten zu einem weiteren dramatischen Bevölkerungsrückgang auf zuletzt nur noch 111 Personen im Jahre 1877.
1866 kam der Franzose Dutroux-Bornier, ein ehemaliger französischer Offizier, mit seinem Geschäftspartner Brander auf die Osterinsel. In den folgenden Jahren „erwarb“ seine Firma umfangreiche Ländereien von den Häuptlingen. Bornier ließ sich auf der Insel nieder und errichtete eine Schreckensherrschaft. 1876 ermordeten die Insulaner den Despoten Bornier, ein Jahr später starb Brander eines natürlichen Todes. Die Insel blieb nach einem längeren Rechtsstreit der Erben vor französischen Gerichten im „Besitz“ der Familie Brander.
Am 9.September 1888 annektierte Chile die Insel. Die Franzosen schickten zwar noch ein Kriegsschiff, aber das hatte wohl keine Lust auf Streit mit den Chilenen und fuhr wieder zurück nach Tahiti.
Die verschiedenen europäische Besucher, aber insbesondere die Rückkehrer aus peruanischer Sklaverei, brachten Infektionskrankheiten auf die Insel, die sich rasch verbreiteten und die Bevölkerung dezimierten. Ab etwa 1900 breitete auch die Lepra, vermutlich von Tahiti eingeschleppt, auf der Osterinsel aus. Abseits von Hangaroa wurde daher eine Leprakolonie errichtet, in der – nach Erzählungen der Einwohner – die Firma auch missliebige Personen isolierte, die sich dort erst mit der Krankheit ansteckten.
1914 brach ein Aufstand aus. Die Rapanui wollten nicht länger hinnehmen, dass ihnen das Betreten des größten Teils der Insel untersagt wurde. Der Konflikt wurde durch den Einsatz eines Kriegsschiffes beendet. Bis zum Jahre 1967 herrschte auf der Insel das chilenische Kriegsrecht. Die Bewohner der Insel unterstanden einer restriktiven militärischen Verwaltung mit einem von Chile eingesetzten Militärgouverneur an der Spitze. Eigenständige, demokratische Strukturen in der lokalen Verwaltung wurden erst Ende der 1960-er Jahre zugelassen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Chile kam 1935 der deutschstämmige Kapuzinerpater Sebastian Englert auf die Osterinsel. Er blieb dort als Seelsorger bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Pater Englert sah seine Aufgabe nicht ausschließlich in der Missionierung, er kümmerte sich auch um soziale Belange, Gesundheitsvorsorge und Bildung der Insulaner. Wir verdanken dem vielseitig Interessierten zudem wesentliche archäologische, linguistische, kulturgeschichtliche und botanische Erkenntnisse. Seine systematische Sammlung von Artefakten bildet heute den Grundstock des nach ihm benannten Museums in Hanga Roa.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es mehrere Forschungsexpeditionen zur Osterinsel. Erwähnenswerte Forscher sind die Engländerin Katherine Routledge, der Franzose Alfred Métraux und der Deutsche Thomas Barthel von der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der die wesentlichen Ansätze zur Entschlüsselung der geheimnisvollen Osterinsel-Schrift fand. Die Osterinselkultur verfügt nämlich als einzige im Pazifik über eine eigene Schrift, die Rongorongo-Schrift. Es ist eine mit Lautzeichen durchsetzte Bilderschrift. Die Deutungsversuche sind zahllos, insbesondere seit sich Laienforscher daran versuchen. Die seriösen Erklärungen für die aufgezeichneten Texte reichen von Genealogien bis zu rituellen Gesängen. Bislang ist es jedoch immer noch nicht gelungen, die Texte Zeile für Zeile zu übersetzen.
Heute präsentiert sich die Insel friedlich und einige Moais stehen auch wieder. Sie wurden von Wissenschaftlern wieder aufgestellt, teilweise um auch zu erforschen, wie sie damals überhaupt dort hin gebracht und aufgestellt wurden. Einer von ihnen war Thor Heyerdahl. Als er in den 50er Jahren des vorherigen Jahrhunderts dort landete, geschah zweierlei: ersten wurde die Weltöffentlichkeit auf die Insel aufmerksam - sie war bis dato ziemlich unbekannt - und zum Zweiten wurden durch die "Wiederentdeckung" durch Heyerdahl die Wissenschaftler auf die Insel aufmerksam. Schließlich lag sie ähnlich abgeschieden wie die Galapagos Inseln, und es gab die Hoffnung, auch hier eine völlig eigene Flora und Fauna zu entdecken. Das bewahrheitete sich aber nicht. Anders als bei den Galapagos Inseln fand hier keine Besiedlung z.B. durch Wind, Vögel oder Treibgut vom Festland aus statt. Die Insel ist dafür zu klein und zu weit weg. Die heute vorherrschende Vegetation entspricht nicht der ursprünglichen. Sie ist das Ergebnis massiver menschlicher Eingriffe in das Ökosystem. Heute ist die Landschaft der Osterinsel überwiegend von ausgedehnten Grasflächen geprägt; die irgendwann eingeführten Pferde sind heute ausgewildert und führen ein freies Leben.
Dafür gab es aber die Steinfiguren. Das hatte etwas mystisches, das galt es zu erforschen. Schon Thor Heyerdahl stellte mit einigen anderen Wissenschaftlern einige der Figuren wieder auf und versuchte dabei, möglichst alte ursprüngliche Methoden anzuwenden. Gar nicht so einfach, wenn man über diese Methoden überhaupt nichts weiß und auch keine Überlieferungen findet...da ist historische Fantasie gefragt. So gibt es heute noch im Engler-Museum eine Schautafel mit 3 verschiedenen Methoden, wie die Ureinwohner die riesigen und bis zu 80 Tonnen schweren Figuren über 12-15km von dem Steinbruch zu den endgültigen Standplätzen geschafft haben könnten. Jeder Wissenschaftler hatte dabei so seine eigene Idee entwickelt und verkaufte sie als die einzig Wahre - wie Wissenschaftler halt so sind. Welche Methode davon nun die Richtige ist oder ob es eine ganz Andere gab, das weiß man bis heute nicht. So setzt sich das Mysteriöse fort...
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