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Reisetagebuch Chile 2007
Mi. 25.Juli 2007 Etwas verspäteter Abflug in Frankfurt nach Zürich, aber der Pilot hat ordentlich Gas gegeben und wir landeten pünktlich in Zürich. Der Flughafen dort ist recht neu und groß, ich kam an A62 an und musste rüber nach E27 – viel weiter ging fast nicht, also einmal durch den ganzen Flughafen. Ein Info-Bildschirm sagte mir, es dauert rund 20 Min. – mit einer schweren Schultertasche kann man da ganz schön in Schweiß kommen. Aber die Schweizer sind recht praktisch veranlagt und auch recht langsam... praktisch deswegen, weil es nach 3 Min. zu Fuß einen hypermodernen Shuttlezug nach Gate E gab; und langsam, weil sie es selber noch nicht bemerkt haben und immer noch 20 Min. zu Fuß anzeigen... Sehr witzig in dem Shuttle-Zug: während der Zug an großen langen Werbetafeln vorbei rast, ertönt aus dem Bordlautsprecher Almjodler, muhende Kühe, Heidi-Rufe - die mitfahrenden Japaner waren begeistert.
Von Zürich aus ging es dann ebenfalls etwas später los – zuerst nach Sao Paulo, dort stiegen viele aus, einige ein, wir konnten sitzen bleiben, es wurde getankt und die Mannschaft gewechselt – dann ging es weiter nach Santiago de Chile. Der erste Teil nach Sao Paulo war unspektakulär – es gab etwas zu Essen (in der Business wirklich exzellent), dann habe ich den Sitz in Liegeposition gebracht und gut 8 Std. geschlafen. Wer die Möglichkeit hat, sollte in der Business Class fliegen; die Reise dauerte von Frankfurt bis Santiago gute 19 Std...
Sao Paulo ging ja gerade durch die Weltpresse. Hatte es dort doch vor zwei Tagen ein schweres Flugzeugunglück mit rund 200 Toten gegeben. Da so etwas rein statistisch nur alle paar Jahrzehnte auf einem Flughafen vorkommt, hatte ich keine Bedenken – andere Passagiere waren da ziemlich beunruhigt und fragten die Flugbegleiter ängstlich, ob das mit Sao Paulo nicht gefährlich wäre, zumal unser Flug als Direktflug deklariert war. Kein vorheriger Hinweis auf eine dortige Zwischenlandung.
Bei der Landung konnte man wieder einmal die maßlose Übertreibung der Presse bei uns sehen: obwohl von den Schreiberlingen wohl noch niemand dort war, wurden die absoluten Horrorgeschichten erzählt: beim Landeanflug flöge man viel zu dicht über den letzten Häusern entlang (schrammt die fast), die Häuser sind einfach in die Landezone gebaut worden - und die Landebahn sei viel zu kurz, die Piloten müssten voll in die Eisen um nicht am Ende über das Ziel hinaus zu schießen. Alles Unsinn. Der Landeanflug geht zwar über die recht großflächige Stadt mit vielen Hochhäusern, aber der Anflug auf Bremen ist z.B. bedeutend niedriger über bebautem Gebiet als hier – da ist sogar Frankfurt noch dichter bebaut. Und die Landebahn ist ausreichend lang, nichts mit Vollbremsung. Schließlich landen hier auch Jumbo´s, die brauchen noch mehr Landebahn als ein Airbus und schaffen das auch. Wir hatten jedenfalls nach einer normalen Bremsung inkl. Schubumkehr noch ziemlich viele Meter bis zum Ende der Bahn. Wenn es aber einen technischen Defekt z.B. an dem Bremsen gibt, dann wird es tatsächlich zappenduster; dann kommt ein kleiner Hügel, ein Graben, eine dicht bebaute Strasse und dann geht´s ab in die Häuser. Aber ohne technische Probleme war es eine völlig normale Landung auf einem völlig normalen Rollfeld.
Der Flug über Brasilien ist sehr schön; es ist hell (der Flug nach Sao Paulo war ein Nachtflug), die Sonne scheint und es herrscht klare Sicht. Der Rio Parana mitten in Brasilien ist einfach gigantisch – er ist teilweise so breit, dass man nicht an einen Fluss glaubt. Es ist hier aber auch schon der Zulauf für den Itaipu-Staudamm, da wird ein Fluss schnell sehr breit.
Do. 26.Juli 2007 Etwas später kommen dann die südlichen Anden – sehr hoch und schneebedeckt. Ebenfalls eine fantastische Aussicht. Die Sicht ist aber auch exzellent, logisch in Santiago sind es dann bei der Ankunft um 10:00 Uhr gerade mal 2° Plus... das schafft eine klare Luft.
Die Abfertigung im Flughafen geht einfach und reibungslos. Pass und Visumzettel vorzeigen, Stempel rein und gut ist. Vor der Gepäckausgabe am Bankschalter noch eben €100 in Pesos getauscht (68.000 Pesos), dann das Gepäck geholt. Es wird noch kurz durchleuchtet, ob man auch ja keine Lebensmittel einführt (streng verboten). Das war´s – schnell und einfach. Am Ausgang sind Schalter von Taxenzentralen. Also einen ausgesucht, Fahrtziel genannt und im Voraus bezahlt (US$ 22.- zum Hotel, rund 25km). Draußen dann zu einem Einweiser mit einem Schild von dieser Taxengesellschaft gegangen, der bringt mich zu dem Taxi. Der Fahrer bekommt einen der beiden Kassenzettel, am Ziel noch US 2.- Tipp und ich war da. Endlich mal eine faire und ehrliche Taxenlösung, mit festen und klaren Preisen. Das Ganze ging ebenfalls schnell und problemlos über die Bühne, so langsam gefällt es mir immer besser hier.
Im Hotel musste ich noch etwas auf mein Zimmer warten, ich war zu früh da. Auschecken ist bis 12:00 Uhr, Einchecken dann ab 14:00 Uhr – ich kam gegen 11:00 Uhr... aber nach rund 1 Std. in einer gemütlichen alten englischen Ledercouch bekam ich mein Zimmer – sehr klein, wenn man bedenkt, dass es sogar ein Doppelzimmer ist - aber alles drin und irgendwie gemütlich, vor allem aber absolut sauber.
Nach dem Frischmachen und kurzem Relaxen ein erster Spaziergang. Das Hotel liegt am Rand der großen Fußgängerzone im Zentrum (Bankenviertel). Da erstmal durch. Es ist recht voll und irgendwie bin ich nicht locker genug drauf, um das Ganze zu genießen – man hört zu viel über Kriminalität gerade in Südamerika; und nach einem bewaffneten Raubüberfall in Madrid brauch ich immer erst einen Tag, um mich irgendwo einzufühlen. Ok, überfallen wird einen hier niemand, dazu ist viel zu viel Polizei (zum Teil beritten) unterwegs, aber so ein kleiner Taschendieb kann auch ganz schön nerven...
Nach ein paar hundert Metern kam dann der große Platz in der Innenstadt von Santiago: Plaza de Armas. Dieser Platz ist der Treffpunkt der Stadt. Umgeben von der Kathedrale, der Hauptpost, dem Rathaus und dem Historischen Museum liegt ein großer Platz mit Bänken, viel Grünzeug, einigen Figuren und einem kleinen Kunstmarkt a lá Montmartre – dazu ein paar Straßencafes – ist recht hübsch hier. Etwas herumgelaufen, ein paar Fotos gemacht und dann die parallele Fußgängerstrasse zurück zum Hotel. Früh ins Bett, bin rechtschaffend müde.
Fr. 27.Juli 2007 Nach dem Frühstück – es gab Rührei mit Schinken, Brötchen und vor allem: frischen Obstsalat mit frischem Vanille-Jogurt! Hmmm, lecker... also nach dem Frühstück frisch gestärkt wieder in die Fußgängerzone. Heute völlig anders drauf – keine Bedenken wegen irgendwelcher dummen Taschendiebe, Knipse raus und los. Den ganzen Tag in der Innenstadt herumgelaufen. Die Fußgängerzone ist nicht so interessant, aber der Plaza de Armas ist am Vormittag völlig anders als nachmittags bzw. abends – als wenn sich die Menschen dann auswechseln. Vormittags ist wenig los, es sind viele geschäftige Leute unterwegs, gegen Mittag kommen dann Touristen und auch mehr Einwohner heraus – gegen Nachmittag (und vor allem Abends) kommt die Jugend.
Vor der Kathedrale war ein großer Teil abgesperrt; alles voll mit Polizei und Staatskarossen. Muss aber die zweite Garnitur gewesen sein, kein Mercedes, alles Toyota-Limousinen (nicht mal Lexus)... ein Einheimischer mit gutem Englisch erzählte, dass hier gleich ein paar offizielle Diplomaten aus Chile und Peru aus der Messe kommen – das Land Peru feiert Geburtstag und alle feiern mit (vor allem Chile als nächste Nachbarn). Nach etwas längerem Warten wurde ich der Sache überdrüssig, machte ein paar Bilder der Damen in peruanischer Tracht und dem Begrüßungs-Orchester und ging ins historische Museum – leider Fotografieren verboten, dabei hätte es sich hier richtig gelohnt.
Gezeigt wird hier die ganze Bandbreite der Besiedlung Süd- und Mittelamerikas – also nicht nur Chiles. Angefangen vor den Inkas und Azteken, auch von dieser Zeit gibt es eine Menge an ausgegrabenen Dingen. Auffallend ist, dass es z.B. in Südamerika ähnliche Figuren gab, wie die Moais auf der Osterinsel, mit ähnlich Augen aus Muscheln bzw. Stein. Ob die Osterinsel von Südamerika aus besiedelt wurde? Oder die Sache verlief anders herum - oder gab es Handelsbeziehungen? Niemand weiß es, aber es gab einige Auffälligkeiten dieser Art, die den Schluss nahe legen, daß es da früher eine Verbindung gegeben haben muss. Auch recht interessant die Qualität der Arbeiten, besonders der Schmuck. Im Vergleich mit dem alten Ägypten ist der Schmuck der Inkas, Azteken usw. sehr viel gröber und nicht so fein gearbeitet, zumal er teilweise rund 2000 Jahre später angefertigt wurde. Da waren die alten Ägypter schon viel früher sehr viel weiter in der Technik, deren alter Goldschmuck hätte heute in einem Schaufenster eines Juweliers bei uns Bestand. Dafür dann aber die Steinbauten: Mauern aus großen Steinen, ok gab es in Ägypten sehr viel früher auch schon – aber: hier sind die Steine, auch unterschiedlich große, exakt aufeinander angepasst, und zwar derart, dass keine dünne Messerklinge dazwischen passt. Wenn man keinen Mörtel kennt, muss man so arbeiten... bloß, wie haben die das gemacht? Das Rad hatten die auch nicht erfunden, also schon eine große Leistung, die Steinbrocken zu transportieren - ein Wagen fiel ja wegen fehlender Räder aus...
Schade, nur, dass dieses Museum (wie Santiago allgemein) wenig touristisch erschlossen ist. So gibt es zwar einen kleinen Museums-Laden, aber fast alles nur auf Spanisch, kein Bildband mit den Ausstellungsstücken (wenn schon Fotografieren verboten ist) – man ist hier auf Touristen außerhalb des spanisch sprechenden Raumes nicht vorbereitet (nicht mal auf Englisch gab es genügen Material).
Ok, wohin nun? Kurz in den Plan geschaut und auf zur Markthalle. Ist gleich um die Ecke, wie auch die Wege hier allgemein recht kurz sind. Die Markthalle ist von Außen auf den ersten Blick recht unscheinbar. Im Umfeld schon marktübliche Läden und Stände, in der Halle selber nur einige reine Marktstände – die eigentliche mittlere Halle ist ein großes Restaurant (zwei große Restaurants teilen sich den Kuchen). Die Einwohner scheinen hier selber gerne Essen zu gehen (es gibt hauptsächlich frische Fischgerichte) – es ist rappelvoll, obwohl die Mittagszeit schon vorbei ist (es ist nachmittags). Interessant vor jedem Eingang die „Einweiser“. Einer spricht mich auf schlechtem Deutsch an, obwohl er angeblich aus der Schweiz stammt, wechselt dann zu Englisch und erzählt mir, warum ich unbedingt in dem Restaurant Essen muss... ein Eingang weiter einer in sehr gutem Deutsch; er kommt ursprünglich aus Frankfurt, ist aber schon sehr lange hier. Natürlich ist „sein“ Restaurant die bessere Wahl – alles arme Schlucker, die irgendwann eingewandert sind und jetzt als Touristenfänger in einem Marktrestaurant arbeiten...
Da ich überraschenderweise noch keinen Hunger habe – es ist später Nachmittag und zum Frühstück hatte ich nicht viel – vertröste ich beide auf später und schlendere langsam wieder zurück Richtung Hotel. Kurz vorher an einem Stand noch frisch in Honig geröstete Nüsse – die Tüte für umgerechnet € 0,50 – gekauft, dazu eine Dose Cola Zero und ab aufs Zimmer.
Etwas frisch gemacht, schon mal fast alles gepackt (Morgen ganz Früh geht es auf die Osterinsel) und dann in das Hotelrestaurant. Chile ist inzwischen das teuerste südamerikanische Land, aber trotzdem für uns noch meist recht günstig. Ein super Filetsteak mit Kartoffelkroketten bekomme ich in keinem guten Hotelrestaurant in Deutschland für €12.- ...
Noch an der Rezeption den morgendlichen Weckdienst und das Taxi organisiert, dann ab ins Bett.
Sa. 28.Juli 2007 Das Wecken hat gut geklappt, schnell fertig gemacht und runter zur Rezeption; muss ja auch noch auschecken. Da es so früh noch kein Frühstück gibt, hat man ein kleines Büfett für die paar früher Abreisenden aufgebaut – sehr aufmerksam. Auschecken klappt problemlos, Taxifahrer fährt keine Umwege und ist in Rekordzeit am Flughafen – alles klappt wieder hervorragend. Dieses Bild setzt sich auch so fort. Am Eingang des Flughafens kann man auf einem Monitor ablesen, welche Check-In Schalter für welche Flüge zuständig sind. Meiner ist gleich gegenüber dem Eingang (dem Taxifahrer sei Dank, er hat mich punktgenau abgesetzt). Vor den Schaltern eine Schlange Menschen in drei Reihen (durch Bänder hin und her getrennt) – in Frankfurt dauert so etwas jetzt rund eine Stunde. Nicht so in Santiago: nach exakt 10 Minuten! Stehe ich vor einem Check-In Schalter – hier sind 8 Schalter besetzt und die halten sich nicht lange mit dem Einchecken auf... super freundlich aber irre schnell fertigen die die Leute ab. Ich bin ja schon viel herum gekommen, aber das ist bisher beim Check-In die Krönung. Da ich keinerlei Papiere habe, sondern im Internet gebucht habe (Ticket gibt es beim Check-In mit meiner Kreditkarte als Legitimation), habe ich also meinen Spruch aufgesagt und die Kreditkarte mit Pass rüber gereicht – alles no problemo und ich bekomme auch meinen gewünschten Fensterplatz – nach ca. 5 Min. bin ich da durch – phänomenal. Einziger Nachteil: genau hinter mir standen zwei Ossis aus Sachsen und waren in ihrem eindeutigen Dialekt nur am nörgeln... , keine Vorfreude, sondern ein ängstliches "wie wird es werden" in allen Variationen - diese armen Jammerer trifft man einfach überall. Na ja, und ein paar dieser ekelhaften deutschen Oberlehrer-Typen gab es auch; super schlauer und dabei dumm-arroganter Gesichtausdruck, sie dabei mit den typischen hängenden Mundwinkeln (nie zufrieden) – auch nur am nörgeln, die haben aber auch überall ein Haar in der Suppe gefunden... zum Glück sind diese Leute aber in der Minderzahl und man kann ihnen ja auch ausweichen. Ist aber komisch, daß die einem sofort negativ auffallen.
Der Flug selber kam mir ziemlich lang vor, er dauerte aber auch gut 5 1/2 Stunden und zu sehen gab es nichts, außer Wolken und Wasser. Die LAN-Air setzt hier sehr neue Maschinen ein, so gab es auch in der Holzklasse Bildschirme für jeden. Ich wählte aus dem reichhaltigen Unterhaltungsprogramm die erste Staffel von „24“ auf Englisch, ok dafür ist der Flug nicht lang genug, aber für die ersten paar Folgen hat´s gelangt.
Irgendwann dann endlich auf Rapa Nui gelandet. Hier gab es den ersten Wehrmutstropfen der ganzen Reise (auf der bisher alles super geklappt hat): ich wurde vom Hotel nicht abgeholt. Nachdem fast alle weg waren, fragte mich ein Einheimischer auf wen ich warte. Auf einen Shuttle vom Hotel Gomero; nö, den gab es hier heute nicht, aber gegen eine geringe Gebühr bringt er mich eben hin. Ok, rein in seinen SUV und los geht´s. Nach rund 1km waren wir da – es waren der teuerste km meiner Reise – er wollte 7000 Pesos, das sind rund 10,50 Euro – für 1 km! Ok, keine Chance, bezahlt und abgehakt. Eine andere Wahl hatte ich eh nicht, außer mit dem Koffer zu Fuß – die Taxen waren alle schon weg und den Weg kannte ich von einer Karte und Satellitenaufnahme (alles dabei) – war aber mit dem Koffer und der Tasche zu viel Schlepperei. Im Hotel große Entschuldigung, man hatte mich erst am Sonntag erwartet... ok Mädel check mal die E-Mail... oh sorry... na ja, einen Vorteil hat es auch, ihr braucht morgen nicht mit dem Auto zum Flughafen und dort mit einem dummen Schild rumlaufen... allgemeine Erheiterung über diese Ansicht, ich nahm´s gelassen und die waren froh darüber - kann passieren, shit happens.....
Das Zimmer ist recht geräumig, die Anlage angenehm. Wird gerade erweitert, ist Nebensaison – also tagsüber etwas Bauarbeiten. Ich hatte aber nicht vor, tagsüber da zu sein.
Erstmal in´s Dorf. Es gibt nur eine Hauptstrasse, dazu ein paar Querverbindungen und eine parallele Strasse am Meer. Da ist so ziemlich alles: Post, Bank, Supermärkte, Restaurants, Autoverleih, Souvenirs. Alles recht locker aufgeteilt, man hat ja Platz. Am „Hafen“ (kleiner Bootshafen) die beiden Tauchbasen. Ich hatte mich per E-Mail bei Orca gemeldet, also da hin. Da gab es nur einen spanisch sprechenden Menschen, der mir aber in Anbetracht der starken Wellen (es waren gerade Surfer draußen) erzählte „no scuba today“. Die Wellen kämen über kreuz und sind zu stark, die kleinen Nussschalen von Booten kommen da nicht heile raus. Dafür waren einige Einheimische in der Hafeneinfahrt am Surfen, das hatte auch was. Ok, warten wir ab, bin ja noch ein paar Tage da.
Dann in ein Restaurant. Es gab gegrillten Fisch (eine Art Tunfischsteak, den Namen des Fisches hab ich vergessen) mit Pommes und Salat, dazu ein Bier: umgerechnet € 16.- . Das Essen war sehr lecker und dafür, dass (bis auf den Fisch) alles hier aufwendig mit dem Flugzeug hergebracht werden muss, geht das vom Preis auch in Ordnung.
Noch kurz versucht, mit meiner Datenkarte (Vodafone UMTS/GPRS Karte) ins Internet zu kommen – klappte anstandslos mit GPRS. Gleich wieder abgebrochen, ich wollte nur sehen, ob es überhaupt geht – die Roaming Gebühren sind horrend, das Ganze ist nur für Notfälle. An der Hauptstrasse gibt es zwei große Internetcafes, Stunde für €1,50 da gehe ich dann Morgen hin.
So. 29.Juli 2007 Nachts fing es an zu regnen – und hörte nicht mehr auf. Der Tag ging ja gut los, es war saukalt – ich trug ein T-Shirt als Unterhemd + Hemd + Lederjacke – und meinen Regenhut. Es schüttete wie aus Eimern. Also erstmal zum Frühstück. Gedeckt war für 3, also gab es noch zwei Gäste – es ist halt Nebensaison und die paar Touristen begrüßen sich schon gegenseitig, wenn man sich mal begegnet. Das Frühstück war überschaubar, aber alles da und man wurde satt. Es gab 3 weiche Brötchen, Butter, Marmelade, Schinken, Käse, eine Banane in Stücken mit Sirup drüber, Kuchen, Saft und Kaffee. Als ich mit den Brötchen fast fertig war, brachte die Küchenfee eine Scheibe Vollkorntoast – ok, das passt auch noch, muss eh für den Rest des Tages bis Abends reichen.
Dann wieder aufs Zimmer und überlegt, was ich an diesem verregneten Tag machen könnte. Ein Auto muss her, da ist es jedenfalls trocken. Also zur Rezeption und gefragt, ob die eine gute Vermietung kennt – sie kannte. Die erste war zu teuer („to expensive“ raunte sie mir zu, als sie den Preis am Telefon genannt bekam und mir aufschrieb). Die zweite war ok, die nahm ich. Nach 10 Minuten kam eine Frau und brachte mir das Auto, ein kleiner Jeep (braucht man hier tatsächlich, der Allrad-Schalter ist der meistgenutzte Schalter an dem Auto).
Ok, das war das, jetzt aber bei dem Wetter wohin? Als Karte hatte ich nur meine Karte aus dem Internet und das Satellitenbild von Google Earth – das sollte reichen, gibt eh nur eine Küstenstrasse und eine querdurch... da brauch ich keine Karte, das find ich auch so. Also los. Erstmal Richtung Nordosten, an der Küste entlang. Grandiose Landschaft, muss bei Sonne toll sein... scheiss Regen...
So nach einer Stunde langsamer Fahrt mit ab und zu anhalten und gucken – es gibt z.B. viele wilde Pferde, die sich durch die paar Autos nicht stören lassen – hörte der Regen endlich auf. Pünktlich zur Ankunft am Ahu Tongariki. Hier stehen 15 Moais (so heissen die berühmten Steinfiguren auf der Osterinsel) in Reih und Glied in einer Bucht, davor liegen noch ein paar herum + ein Einzelner am Eingang. Da sowieso kaum Touristen auf der Insel sind (und bei dem Wetter auch nicht großartig unterwegs sind), hatte ich die ganze Anlage erstmal für mich alleine – so ein Auto lohnt sich schon. Wie es sich lohnt, zeigte sich, als zwei Minibusse mit Touristen kamen. Ich durchstreifte die ganze Anlage und konnte von jedem Blickwinkel Bilder machen, die armen Touris bekamen von ihrem Reiseleiter leider nicht so viel Zeit. Die blieben am Eingang stehen, machten ein paar Übersichtsbilder (Suchbilder „da irgendwo im Hintergrund stehen ein paar Figuren rum“), dann ging es ab in den Bus und zack, zack, weiter zur nächsten Attraktion... und dafür bezahlen die auch noch teures Geld.... Unterwegs sah ich die bedauernswerten Geschöpfe dann noch, als ich an jedem interessanten Punkt einfach stehen blieb, ausstieg und mir alles anschaute – die geführte Gruppe raste mit in den Bussen vorbei. Ich freute mich an dem Auto und der damit gewonnenen Freiheit und pflegte mal wieder mein Vorurteil über Pauschalreisen...
So gab es unterwegs einen einzelnen Moai, der malerisch vor einer Bucht in einer Steinanlage stand. Der muss schon sehr alt sein, er war ziemlich verwittert. Etwas weiter führte eine Piste zum Steinbruch, wo die Moais herkamen. Eine sehr interessante Sache, ein Fußweg führt hoch zu dem Steinbruch, oben lagen überall unfertige Figuren herum. Es gab auch einen richtigen Steinbruch, wo zwei halb aus dem Stein heraus gemeißelte Moais zu sehen waren – da ist den Erbauern wohl damals irgendetwas dazwischen gekommen. Leider fing es da oben wieder zu regnen an und es gab absolut keine Möglichkeit, sich irgendwie unter zu stellen. Also schnell zurück zum Auto, bei gutem Wetter ist das aber noch mal einen Besuch wert.
Es war Mittag, also zurück zur Hauptstrasse, etwas essen. Vorher im Supermarkt ein Sixpack Cola und ein paar Kekse geholt, dann ein paar Läden weiter etwas gegessen. Ein sehr witziger Laden, ein paar Tische, eine mit einer fürchterlichen Handschrift grob auf ein paar Zetteln zusammengekritzelte Speisekarte und ein erzschwuler Besitzer... ich entzifferte „Hamburgesas“ und „Arozo“ – also einen Hamburger mit Reis – das wollte ich sehen. War ganz einfach, ein Teller mit Reis, mittendrin ein flacher Fleischklops, dazu 4 Stück getoastete Baquetscheiben extra; so einfach kann das sein. Dann gab es drei verschiedene Soßen, alle sehr lecker. Es schmeckte übrigens insgesamt recht gut und war auch nicht so viel – also genau richtig. Kostete inkl. einer Cola 8 US$ (also ca. € 6.-), war ok.
Etwas aufs Zimmer, ausgeruht. Dann weiter zum Internetcafe. Heute sei die Verbindung sehr langsam, meint der Besitzer, sonst ist es schneller. Recht hat er, quälend langsam baut sich die GMX Seite auf, es dauert fast eine halbe Stunde alle Mails zu kontrollieren und zwei zu schreiben. Nach einer Stunde bin ich dann 1000 Pesos ärmer, geht aber. Es regnet wieder, trotzdem fahre ich los um den Friedhof und die dahinter liegende Anlage „Tahai Complex“ anzusehen. Beim Friedhof regnet es noch zu sehr, also gleich weiter. Bei der Tahai-Anlage angekommen habe ich Glück, der Regen hört gerade auf. Also los. Gerade als ich so ziemlich alles fotografiert hatte, fängt es wieder an zu regnen, schade – da fällt der Friedhof wieder aus. Und aus dem berühmten Sonnenuntergang bei der Tahai-Anlage wird heute auch nichts – abgesehen davon haben wir Vollmond und nichts wäre schöner, als die Anlage mit den Steinfiguren im Mondlicht und darüber der volle Mond... aber man kann nicht alles haben...
Die Restaurants haben alle zu (ist Sonntag und Nebensaison), also ins Hotel, diesen Text schreiben, etwas Kekse essen und ein Bier aus der Minibar.
Mo. 30.Juli 2007 Die Nacht hat es wieder geschüttet wie aus Eimern, am Morgen war es sonnig und trocken – juhu. Nach dem Frühstück erstmal zur Post, Briefmarken für die Postkarten und die Stempel im Pass besorgt. Dann los zum Rano Kau Vulkan im Süden, quasi gleich um die Ecke. Der Vulkan ist schon lange erloschen und der Krater voll mit einer Seenplatte vieler kleiner Seen mit Schilfinselchen und Farnkraut dazwischen. Bei den Parkrangern US$ 10.- Eintritt bezahlt und einen Rundgang gemacht. Hier ist eine alte Kultstätte („Orongo“) mit 53 Häusern um den Kratersee. Richtung Meer sieht man 3 kleine Felseninseln: Motu Nui. Die Ranger gaben mir eine Karte mit und haben mir im Vorfeld die Attraktionen ausführlich erklärt, war sehr interessant.
Danach zurück ins Dorf, etwas essen. Bei den Tauchbasen gibt es auf der Ecke ein kleines Restaurant, das soll lt. einigen Reiseführern das Beste der Insel sein. Sehr witziges Schild auf dem Dach – Obelix trägt anstatt eines Hinkelsteins einen Moai... Das Essen war wirklich toll. Es gab gegrillten Fisch Namens Mihu-Mihu (eine Art Goldmakrele), ich bestelle gerne unbekannte Gerichte und lasse mich dann überraschen - also, der Fisch schmeckte sehr gut. Dazu eine gebackene Süßkartoffel, Gemüse und Reis – leicht und lecker. Einziger Wermutstropfen zwei andere Gäste: ein älteres Franzosenpaar, sie Typ Lehrerin, nur extrem hässlich. Nur er bestellte etwas zu trinken, sie holte ungeniert eine mitgebrachte Flasche Wasser aus der Tasche und setzte die an den Hals – es gibt Restaurants, da fliegt man wegen so was raus. Schade, hatte niemand gesehen, die blieben also und saßen genau in meiner Blickrichtung. Er fotografierte sie laufend von allen Seiten, sprang auf, rannte hier hin und dahin, fotografierte, setzte sich wieder hin, sprang wieder - grauenvoll, das brachte eine ziemliche Unruhe in die gute Stube. Zum Glück gingen die bald und es kamen 4 Chileninnen; alle schon etwas älter und wahnsinnig gut drauf. Die gute Laune war richtig ansteckend, da schmeckte das Essen noch einmal so gut.
Nach dem ausgiebigen Mal mit polynesischer Musik aus den Hintergrundlautsprechern kurz ins Hotel, frisch machen. Kaum dort angekommen, fing es an zu regnen... richtig heftig und dauerhaft. Was tun? Ins Dorf Souvenirs kaufen, was Besseres fiel mir da nicht ein. Also erstmal zu dem Kunsthandwerker-Markt neben der Kirche. Hier kaufte ich ein T-Shirt von Rapa Nui für US$20.- - weiter zu dem Markt an der Hauptstrasse. Diese Markthalle ist zweigeteilt: im ersten Teil richtiger Markt mit Obst und Gemüse, im zweiten Teil Souvenirs für Touristen. Es gibt viele Stände mit den Steinfiguren in allen Größen, aus Holz, Vulkanstein, Obsidian, Lapislazuli und anderen Halbedelsteinen, nur waren die qualitativ alle unterschiedlich. Nach langem Suchen fand ich eine kleine Steinfigur aus Vulkanstein, die mir gefiel. Für US$15.- wechselte sie den Besitzer. Weiter zu einem richtig Kunsthandwerkermarkt, etwas nördlich gleich neben der Kirche. Eine große Halle mit vielen Ständen, das Angebot war ähnlich wie in der Markthalle, nur umfangreicher.
Dann im Nieselregen die Strasse ins Inselinnere gefahren. Ging durch einen Eukalyptuswald bis zur Nordküste. Dort ist eine schöne Anlage mit Moais und Strand („Anakena“), aber im Regen hatte ich keine Lust, zumal meine Schuhe schon ziemlich durchnässt waren. Also umgedreht, zurück Richtung Hanga Roa. Mitten auf der Fahrt ging es rechts ab nach Puna Pau. Keine Ahnung, was Puna Pau ist, also hin. Die Strasse war wie üblich abseits der Hauptstrasse in fürchterlichem Zustand, gerade wegen dem Regen für normale Autos völlig unpassierbar. Voll mit Schlaglöchern und tiefen Rillen. Also den Allrad-Schalter auf ON und los ging’s. War hier bisher die Härte von allen Strassen, aber der kleine koreanische Jeep schlug sich tapfer. Angekommen entpuppte sich Puna Pau als die Hutmacher-Werkstatt der alten Insulaner – nur waren die Hüte aus Stein und wogen ein paar Tonnen... sie wurden bis zu 12km zu den Stellen gebracht, wo sie dann den großen Steinfiguren (Moais) aufgesetzt wurden – vor hunderten von Jahren auf so einer kleinen Insel eine grandiose Leistung. Auch die Aussicht war toll, sogar bei diesem Wetter – alte Vulkankegel im Dunst haben auch etwas Mystisches. Da es inzwischen auch zu regnen aufgehört hatte, ging das dann ganz gut.
Zurück ins Hotel – das war´s für den Tag.
Di. 31.Juli 2007 Die Nacht war ätzend – meine Erkältung wird immer schlimmer, ist zwar nur Schnupfen, aber dafür ist die Nase auch komplett zu. Zum Glück habe ich mein kleines Döschen chinesischen Tigerbalsam gefunden; ist zwar nicht direkt für die Nase, aber zur Not geht das auch. Damit erst mal die Nase von innen und außen eingerieben – schau mer mal...
Die Nacht hatte es nicht geregnet, was für ein Fortschritt. Angeblich regnet es im Juli und August nur 5-7 Tage, genau diese Tage bin ich wohl hier... aber irgendwo muss das viele Grün auf der Insel ja herkommen. Es ist ja auch nicht kalt, so 20°-22°, aber es weht etwas und die gefühlten Werte liegen darunter. Außerdem schwitzt man leicht, weil es doch nicht so kalt ist, dann steht man im Wind... also ein sehr ungesundes Wetter, kein Wunder, daß meine Nase da dicht ist.
Also – heute regnet es mal nicht gleich am Vormittag. Es sieht aber so aus, was macht man da am besten – genau, ins Museum. Das Museum ist sehr klein und besteht hauptsächlich aus einem großen Raum mit Schautafeln plus eine Handvoll Gegenstände aus der Geschichte von Rapa Nui. Das Ganze ist recht interessant, aber man ist da auch recht schnell durch - weiter zur Anlage „Tahai“. Erstens liegt die gleich um die Ecke und zweitens habe ich in Anbetracht des Wetters und der Wolken am Himmel eine Vermutung – die sich tatsächlich als treffend herausstellen sollte – es gab über den Moais von Tahai einen großen Regenbogen. Das Bild überhaupt.
Das war wohl auch für das Wetter das Signal, auf besser zu schalten. Die Wolken rissen auf und ich fuhr los. Ich wollte wieder die Südküste entlang, aber diesmal richtig an der Küste, nicht die befestigte Strasse, die mehr im Inneren verläuft. Sehr schnell lernte ich bei den aufgeweichten Wegen die Allrad-Taste an dem Jeep schätzen. Dieser kleiner Daihatsu wühlt sich so richtig überall durch; stecken bleiben darf ich auch nicht, weil ich auf den Wegen meist keine Menschenseele weit und breit sehe, es ist absolute Nebensaison, die Handys funktionieren außerhalb der Hauptstadt auch nicht – da ist dann ein langer Fußmarsch angesagt, um Hilfe zu holen. Aber eins schon mal vorweg - ich kam überall gut durch, auch wenn mir das arme Auto manchmal richtig leid tat.
Die Gegend war atemberaubend, das Wetter war richtig gut - Sonne und warm. Laufend gab es Zeugen einer längst vergangenen Kultur. Es gab viele Mauern und Gebäudereste, dazu ab und zu umgeworfene Moais. Die ganze Insel ist voll mit diesen Zeitzeugen. Ich verbrachte mehrere Stunden für die Fahrt von vielleicht 20km, laufend gab es etwas zu sehen. Also anhalten und fotografieren. Man musste nur etwas auf die Wildpferde Obacht geben. Die laufen überall herum, die Betonung liegt dabei auf „Wild“ – die sollen angeblich nicht ganz harmlos sein. Meist laufen die aber weg, Pferde sind Fluchttiere, so machte ich mir da keine weiteren Gedanken und lief zwischen denen herum; machten sich auch ganz gut als Fotomotiv vor der wilden Küste mit der brausenden See...
Mittags dann an einer einsamen Bucht mein Müsliriegel gegessen und im iPod den Südsee-Klischésong "Aloa he" von Achim Reichel in voller Lautstärke gehört - das musste hier einfach sein und kam richtig gut. Wo sonst, als in der Südsee, sollte man dieses Lied hören?
Nach einiger Zeit kam ich dann wieder bei der Anlage „Ahu Tongariki“ an. Hier stehen 15 Moais in Reih und Glied in einer Bucht. Hatte ich aber schon. Ich wollte weiter, was ich vor zwei Tagen nicht geschafft hatte, weil das Wetter einfach zu schlecht war. Ich wollte zum Nabel der Welt...
Die Strasse wurde jetzt richtig abenteuerlich, die Allrad-Taste mein liebster Freund... zu sehen gab es viel, nur (bis auf einmal 2 Touris) andere Menschen nicht. Es hat was, so in der Nebensaison, man hat wirklich alle Sehenswürdigkeiten für sich alleine.
Irgendwann nach der soundsovielten Furt, wo man nicht weis, wie tief das diesmal ist und wie viele tiefe Schlaglöcher sich darin verstecken, kam endlich ein Schild: Ahu Te Pito Kura. Das war zwar nicht der Nabel der Welt, sondern 3 umgeschmissene Moais, aber der Nabel muss doch auch ausgeschildert sein – ist schließlich nicht irgendein Nabel, sondern der der Welt. Also vom Hauptweg abgebogen, da hin. Kurz angehalten, ein paar Bilder gemacht und weiter. Der Weg war bisher das Schlimmste, den muss ich nicht noch einmal haben... denkste, der Nabel war nicht ausgeschildert, er hätte schon längst kommen müssen. Also noch einmal genau auf die Karte gesehen; könnte bei der Anlage sein, wo ich gerade herkam... Also zurück und diese fürchterliche Furt entlang, diesmal einen Ausweichweg querfeldein genommen, war tatsächlich geringfügig besser. Wieder hin zu den 3 umgeworfenen Moais. Links daneben, als wenn nichts wäre, war der Nabel der Welt – ohne Hinweisschild oder sonst etwas. Ich hatte aber ein Bild in der Karte, er war es wirklich.
Ich war beim Nabel der Welt – ein erhabenes Gefühl.
Weiter Richtung „Anakena“ – eine Anlage an einem richtigen Südsee-Klischéstrand, so mit feinem Sand, Palmen und ein paar Moais. Da war ich gestern zwar schon kurz, aber es hatte zu viel geregnet, da bin ich gar nicht erst ausgestiegen. Hier muss in der Hauptsaison ziemlich was los sein, es gibt zwei Getränkebuden, richtige Toiletten, viele Sitzbänke, Feuerstellen für Grillfeten und ein paar Marktstände mit Souveniers. An einer Bude einen Kaffee getrunken und ein Stück Kuchen gegessen. Es war Bananenkuchen, so eine Art Topfkuchen mit dunklem Teig und viel Bananen drin, von der Verkäuferin selbst gebacken - unheimlich lecker.
Jetzt war auch schon früher Nachmittag, Zeit für den täglichen Regen... und los ging´s. Also ins Auto und die 25km zurück ins Dorf im Eiltempo – für den Hinweg hatte ich noch gut 5 Stunden gebraucht (ok, die Strassen waren auch schlecht), für den Rückweg auf asphaltierter Strasse 20 Min.! Da ich morgen früh das Auto abgebe, erstmal zur einzigen Tankstelle, voll tanken. Für US$26.- (rund € 20.-) gab es 27 L Super – also recht günstig gegenüber deutschen Preisen. Dann ins Internetcafe, Mails gucken – danach erstmal zurück ins Hotel. Warten das die Restaurants aufmachen – dafür fängt es wieder richtig zu regnen an, grrrr....
18:00 Uhr – das Restaurant (das mit dem Obelix) hat auf – ab ins Auto und hin. Es schüttet und stürmt wieder, das es eine Freude ist. Und da denkt man, Südsee ist immer heiß und viel Sonne... Aber das Essen entschädigt mal wieder; es gab gegrilltes Thunfischsteak mit gebackener Tomate (1/2 Tomate so mit gewürzten Semmelbrösel drauf und dann überbacken), Süßkartoffel, eine mir unbekannte Frucht (1/2 Frucht, etwas scharf, mit Käse überbacken), Reis und Pilze – alles sehr lecker gemacht.
Mi. 1.August 2007 Nachts aufgewacht, mir war etwas schlecht. Da ich bisher kaum richtig auf Toilette war (etwas verstopft), schrieb ich das diesem Zustand zu; das Essen war zu gut, daran konnte es nicht liegen. Vorsichtshalber nahm ich eine von den ägyptischen Wunderpillen, die ich für solche Fälle immer dabei habe (dann noch morgens eine und mittags). Es sind Pillen mit zwei Wirkstoffen (Kombipräparat) – da darin auch Antibiotika enthalten ist, vielleicht auch ganz gut gegen meine Erkältung. Volltreffer – morgens nix mehr schlecht, und der Schnupfen reduzierte sich auf ein Mindestmaß. Wunderpillen halt...
Nach dem Frühstück in der Lobby auf die Frau von der Leihwagenagentur gewartet – die hat aber ihren Mann geschickt. Jetzt weiß ich auch, wer mich da in der Nähe dieses Ladens einmal so nett gegrüßt hat – er war schließlich der Eigentümer des Autos, in dem ich saß. Rückgabe ging schnell und problemlos, ich bekam mein Voucher von der Kreditkarte zurück (galt als Sicherheit) und er bekam US$ 180.- Cash. Und waschen sollte er das Auto noch, die Frontscheibe war noch einigermaßen frei, der Rest war bis oben hin voll Matsch und Dreck – ist halt ein Geländewagen... no problemo, er kennt die Wege hier auch.
Da das Wetter etwas besser war und auch kaum Wind, Tauchmaske eingepackt und zum Bootshafen gepilgert. Siehe da ich hatte Glück, das Boot fährt in 1 Std. raus, es gab nur einen anderen Taucher + Guide. Schnell eine Ausrüstung zusammengestellt, alles sehr sauber und ordentlich. Das Jacket war so gut wie neu (alle anderen auch), der Atemregler machte auch keinen sehr gebrauchten Eindruck, der Anzug (7mm Nass) hatte ein paar Beulen und Schrammen, war aber ok. Finimeter-Konsole mit Druck- und Tiefenmesser, kein Computer. Dafür hatte ich ja meine Uhr mit. Flaschen waren aus Alu und hatten so ca. 12L, waren halt so die weltweit bei Tauchbasen beliebtesten Flaschen. Dann ging es los. Voll angerödelt fuhren wir vielleicht 10 Min. , dann stoppte der Fahrer und wir ließen uns rückwärts ins Wasser fallen. Kurzer Check, Ok-Zeichen und runter. Erster Eindruck – kalt. Ok, Nassanzug halt und plumps ins Wasser, das erfrischt etwas bei vielleicht 20°... Nächster Eindruck – wenig Fisch, d.h. erstmal sah ich überhaupt keinen. Wir tauchten aber recht schnell auf 40m runter, oben war es zu wellig. Ich wollte meine kleine Knipse anschalten, aber sie verweigerte den Dienst – Grrrrr. Diese Macke hat sie ab und zu, geht nur an, wenn man den Akku raus nimmt und wieder rein steckt – nur unter Wasser geht das leider nicht... ok, also keine Bilder. Die Sichtweiten waren enorm, so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Man hatte zeitweise nicht das Gefühl, im Wasser zu sein. Sah man hoch, so konnte man das Schäumen des Meeres sehen plus Vögel, die übers Wasser flogen – glasklare Sicht aus 40m Tiefe. Nach unten sah man allerdings nicht so gut, was aber an dem mangelndem Licht lag – es ging nämlich noch mal rund 40m tiefer runter und der Meeresboden war nicht hell, sondern bestand wohl aus dunklem Gestein. So mitten drin kommt da etwas Orientierungslosigkeit auf, man muss da öfters auf die Instrumente schauen, um nicht zu tief abzusinken. Aber dann kam ein Bezugspunkt für die Augen - eine Steilwand. Wir schwammen dort entlang, es gab eine große Höhle (so mehr eine halbe Höhle, an einer Seite offen), darin eine recht große Muräne. Hier schwammen auch ein paar Fische lang (Trompetenfische, ein Igelfisch). Nach rund 20 Min. gab der Guide das Zeichen zum auftauchen, mein Begleiter hatte seine Pulle schon recht leer gezogen, ich hatte noch gut 100 Bar... Das Einsteigen ins Boot war höllisch. Es gab recht starke Wellen. Also erstmal Jacket aus und hoch gereicht. Dann versucht, in das leidige Boot zu kommen; der übliche Trick von unten mit Anlauf und rein klappte nicht, irgendwann kam eine Welle so glücklich, das sie mich vor dem Boot hochhob – also rein. Schön, daß der Guide, der das hier öfter macht, das selbe Problem hatte, da kommt man sich nicht soo hilflos vor. Auf der Basis festgestellt, daß ich natürlich wieder ein Handtuch vergessen hatte – man gab mir eins. Noch etwas mit dem Guide unterhalten, dann zurück ins Hotel. Es regnete mal wieder, ich hatte keine Auto mehr, also eine Taxe genommen.
Auf dem Zimmer Kekse gegessen und auf besseres Wetter gewartet – es regnete nur leicht, aber beständig. Wurde nicht besser, also Jacke zu, Hut auf und ab ins Dorf. Dort bei dem warmen Bruder (siehe So. 29.7.07) ein Sandwich gegessen – der Hamburger am Sonntag war ja voll ok, aber Sandwich sollte man dort nicht bestellen. Zwei Brötchenhälften belegt mit etwas Hühnerbrust, aber einer Unmenge an fettiger Mayonnaise – insgesamt triefte das ganze vor Fett – mir war wieder schlecht. Nur diesmal wusste ich, woher es kam, also was beklagen... eine Cola oben drauf, die räumt den Magen auf, nach ein paar Stunden war alles vorbei.
Zurück ins Hotel, etwas relaxen. Danach noch mal ins Dorf – so ohne Auto ist man hier echt eingeschränkt – im Schmuckladen noch ein Mitbringsel für Frau und Kind erstanden, im Supermarkt mein Abendbrot gekauft; ein kleiner Müsliriegel, eine Cola hatte ich noch im Hotel. Nach dem „Mittagessen“ musste mein armer Magen mal etwas entspannen.
Im Hotel die Bilder von der Kamera überspielt, eine DVD gebrannt und den Tag ausklingen gelassen.
Do. 2.August 2007 Letztes Frühstück auf Rapa Nui, dann zur Rezeption, auschecken. Das Auto kommt um 9:30 um mich zum Flughafen zu bringen; etwas in der Lobby gelesen und gewartet. Es regnete mal wieder und war kalt –irgendwie hat mein Klisché der Südsee arg gelitten, ich dachte da immer an Sonne und Hitze... Noch eine Überraschung als die Frau kam um mich zum Flughafen zu bringen. Es war die Besitzerin des Hotels, eine Einheimische Rapa Nui. Am Himmel gab es gerade wieder einen schönen Regenbogen und ich meinte nur „look at that rainbow“ – sie daraufhin auf Deutsch! „was ist das auf Englisch – Regenbogen? Oh, ich sollte langsam mal richtig Englisch lernen“. Ich war ziemlich platt, eine Einheimische, die kein Englisch kann, dafür aber fast perfekt Deutsch in einem spanisch sprechenden Land. Am Flughafen die nächste Überraschung: ich war 1 ½ Std. vor Abflug da und bekam kein Fensterplatz mehr, die Maschine war ausgebucht. Aber soviel Leute waren doch gar nicht da, das reicht doch nie um ein so großes Flugzeug auch nur annähernd zu füllen. Das Geheimnis war, das alle mit Kameras bewaffnet gen Osten schauten, um die Maschine beim Landeanflug zu fotografieren – die kam aber von der anderen Seite, aus Westen... es war die Maschine aus Tahiti, die uns nur aufnahm und dann weiter nach Santiago flog. Daher voll, die kam schon fast voll an. Ok, mit ungefähr einer Stunde Verspätung ging es dann los, Flugzeit jetzt Richtung Santiago 4 ½ Std. – gegen die Erddrehung und mit Rückenwind. Ich wollte mir einen Film ansehen, aber mein Monitor war gestört, so das er laufend aussetzte... aber es gab ja noch den iPod. In Santiago war es kalt, ich nahm wieder ein Taxi der selben Gesellschaft, wie bei der ersten Ankunft, das Hotel stand auch noch und man erkannte mich sogar wieder. Diesmal bekam ich ein richtig großes Zimmer auf der anderen Seite als vorher. Noch etwas im Restaurant gegessen und dann ins Bett. Der Tag war lang genug.
Fr. 3.August 2007 Nach dem Frühstück losgewandert – es ist recht kalt, so 16° laut Wetterbericht, aber strahlender Sonnenschein (was ich in der Südsee vermisst hatte). Also T-Shirt als Unterhemd, Hemd drüber, Lederjacke zu und gut ist. Erstmal zu dem Busbahnhof in der Nähe, nachsehen, ob es einen Bus nach Valparaiso gibt . Gibt es von dort aus nicht. Einen Bahnhof habe ich auch noch nicht entdeckt, also heute Abend mal an der Rezeption fragen.
Dann kurzfristig entschlossen auf den Aussichtsberg zu fahren. Das bedeutet aber erstmal quer durch die Stadt zu Fuß, inkl. des Vergnügungsviertels Bellavista – schau mer mal...
Zuerst zum Platz der Plätze – Plaza de Armas. Dort etwas in der Sonne gesessen, dann weiter. An dem kleinen Fluss Rio Mapocho (der durch Santiago fließt, jetzt aber nur ein Rinnsal war) führt ein kleiner Park entlang, sehr schön gemacht, tolle Sicht Richtung der schneebedeckten Berge mit den Hochhäusern im Vordergrund. Dann kam Bellavista – das Künstlerviertel mit den bunten Häusern und den vielen Discos, Clubs und Kneipen. Es ist so ein bisschen wie unser "Viertel" in Bremen plus Touristenläden. In den Nebenstrassen schmucke kleine Häuser, wo die Leute sicher nicht zu den Ärmsten gehören, die sich das hier leisten können. Alles zusammen in einem relativ kleinen Gebiet, es gefällt mir ausgesprochen gut. Ein kleiner Innenhof mit Läden und Restaurants (Patio de Bellavista) erinnert so ein bisschen an Berlin oder London. Diese Stadt ist ja touristisch nicht so erschlossen, angeblich ist da nichts los und nichts zu sehen (schreiben einige führende Reiseführer) – da gibt es genug zu sehen, es kommt bloß darauf an, was man sehen will und wo man sucht...
Dieses kleine Viertel hier hat richtig Charme und zählt sicher zu den Höhepunkten dieser Stadt – die sich erst langsam dem Besucher erschließt. Liegt vielleicht auch daran, das es absolute Nebensaison ist – ich komme mir manchmal wie der einzige ausländische Tourist hier vor – zum anderen aber auch daran, das die touristische Infrastruktur nicht für Weitgereiste aus z.B. Europa gedacht ist – so gibt es fast kaum Informationen auf Englisch (obwohl es die meisten Menschen hier sprechen), auch nicht an einigen touristischen Highlights. Da müssen die noch selbstbewusster werden und etwas üben.
Auf den Aussichtsberg führt eine alte und sehr abenteuerliche Drahtseilbahn hoch. Für umgerechnet € 1,80 kommt man rauf und wieder runter. Auf halber Strecke ist die Haltestelle für den Zoo, daher die vielen Eltern mit ihren Kinder... die sind aber da alle raus. Oben hat man eine grandiose Aussicht auf die Stadt und die Kordilleren. Man sieht auch deutlich den in den Wintermonaten viel beschriebenen Smog – Santiago (niedliche Abkürzung in der Stadt gesehen: STGO) liegt in einem Tal, von hohen Bergen umgeben. Die Luft kommt da nicht raus und es bildet sich eine sichtbare braune Glocke über der Stadt. Zurück dann über die Hauptstrasse zu meinem Hotel – alles gar nicht so weit, wie es auf dem Plan aussieht.
Im Hotel etwas TV gezappt, mal sehen, was es hier so gibt. Ist schon seltsam (oder auch nicht), aber überall auf der Welt gibt es im Fernsehen den selben Müll. Tagsüber Nachrichten, Trickfilmkanäle mit billig hergestelltem Trickfilm-Schrott, Kochsendungen und dazu parallel Werbesendungen über Fitness und Abnehmen – wer auf das eine hereinfällt braucht dann irgendwann das andere... Dazu die üblichen Gameshows, die üblichen saudummen Talkshows. Interessant eine Show (gibt es auch bei uns) in der ein TV Team einer normalen Familie aus dem Volk die Wohnung komplett neu einrichtet – hier keine Wohnung, sondern gleich ein ganzes Haus; da kommt dann tatsächlich im Beisein der Besitzer ein Bagger und reißt denen die Bude ein. Dafür gibt es dann ein komplett eingerichtetes Fertighaus vom Feinsten... Pervers auch die Familienshow, wo zwei Familien gegeneinander um eine hohe Geldsumme spielen – alle unheimlich fett und es geht darum, in einer bestimmten Zeit kollektiv am meisten abzunehmen. Die Familie, die am meisten kg verloren hat, gewinnt... mal sehen, wann das bei uns im Fernsehen kommt. Das unterirdische Niveau im Fernsehen ist also kein deutsches Phänomen, da ist die Globalisierung schon perfekt.
Abends vor dem Essen noch einmal „um den Block“ gegangen. Hier tobt Abends der Bär (ist eh Freitag Abend, das kommt noch dazu). In der Fußgängerzone ist es brechend voll. Eine sehr interessante Sache: die Chilenen laufen immer geradeaus, wenn man versucht auszuweichen, weicht man nur noch aus und ist schnell total genervt. Das funktioniert anders: einfach die entgegenkommenden Leute nicht ansehen (Schaufenster anschauen oder sonst wo hin) – man kommt einfach und geradeaus durch die Menge. Das kann man einfach testen: die Entgegenkommenden anschauen und man muss laufend ausweichen, dann plötzlich nicht mehr anschauen, sondern einfach irgendwo hin und geradeaus weiter laufen, quasi Blindflug – geht problemlos. In dem Augenblick, wo man wieder die Leute anschaut, klappt das schon nicht mehr. Ich hab´s mehrfach hin und her ausprobiert, das funktioniert mit Ansagen... ich habe so etwas noch nirgends so ausgeprägt erlebt und war einfach fasziniert.
Sa. 4.August 2007 Heute nach dem Frühstück losgewandert – zu dem Busbahnhof, den mir die Rezeption gestern Abend sagte. Mal sehen, ob es einen Bus nach Valparaiso gibt. Der Weg ist ziemlich lang, immer die große Strasse entlang, an der (fast) mein Hotel liegt. Gestern war ich ja schon bei einem Busbahnhof, nur soll der richtige noch ein Stück weiter sein; lt. Karte fast doppelt so weit... Als das Bankenviertel aufhört, wird die Gegend langweilig und auch schmuddeliger. Es gibt fast nur noch Autowerkstätten, Zubehörläden und Billig-Shops aller Art. Aber trotz der recht herunter gekommenen Gegend habe ich hier nie ein unsicheres Gefühl. Die Menschen hier haben „gute“ Gesichter – alles normale Leute, es gibt auch bisher im Straßenbild so gut wie kaum Bettler oder Penner; ein paar schon, aber in Bremen sind das eindeutig mehr, nur hat Santiago 10x mehr Einwohner. Auch Junkies habe ich bisher noch keinen einzigen gesehen, das Problem scheint hier entweder unbekannt (glaub ich nicht) oder an anderer Stelle zu sein. Normalerweise sind Junkies immer da, wo viele Menschen und viele Läden sind – beides kann man gut beklauen – aber hier sieht man absolut keinen. Nun weiß ich aber auch nicht, ob es nicht vielleicht an den überall präsenten Carabineros (Staatspolizei, etwas härter drauf als die „normale“ Polizei) , liegt... Wie auch immer, die Stadt ist, zumindest in der Nebensaison, für Touristen absolut sicher. In der Hauptsaison kann das anders sein. Wie auch immer, ich fühlte mich hier recht wohl.
Nach den ganzen Autoläden und Copyshops kam auf der linken Seite ein schon von weitem mondäner alter Bau – der Hauptbahnhof. IEr ist übrigens von Eiffel erbaut, dem Konstrukteur des gleichnamigen Turms in Paris. Vom Stil her unverkennbar. In der Mitte eine riesige offene Halle mit Palmen davor, rechts und links die Anbauten (Nebenhallen) in altem Stil sehr gut erhalten bzw. restauriert. Die Überraschung kam beim Näher kommen: Zugverkehr gibt es hier fast gar nicht, nur ein paar unbedeutende Vorortlinien, die der Metrogesellschaft gehören. Es gibt bis auf eine Touristenbahn zu einem nahe gelegenen Weingut keine Eisenbahn in Chile. Der gesamte Komplex mit Haupthalle und den wirklich schönen alten Nebenflügeln war ein riesiger Einkaufsmarkt – die Betonung liegt dabei auf riesig. Es gab eine Unmenge an Gängen mit hunderten von kleinen Läden, Restaurants und Imbissen, teilweise zweistöckig. Und hier tobte das Leben; halb Santiago war hier auf den Beinen. Es soll ja zu der Lieblingsbeschäftigung hier gehören, am Wochenende in die großen Malls zu fahren und dort zu flanieren und einzukaufen. Interessant für uns die Preise: so kostet eine Wrangler Jeans umgerechnet € 12.- - no name Jeans gibt es ab 1000 Pesos = € 1,50 ! Sweatshirts ab € 1.-, Schuhe ab € 7.-. Eine Sony Videokamera lag bei € 200.- - da ist der Hamburger bei McDonald für umgerechnet € 2,25 schon unverschämt teuer, aber wer isst denn schon bei McDonald... Hier in Santiago leider immer mehr, die McDonalds sind immer voll, teilweise mit Menschschlangen vor der Tür, und im Straßenbild sieht man immer mehr immer dicke Leute, hauptsächlich junge Menschen. Sehr schön dazu auch ein Fitness-Center: es lag im ersten Stock der Halle, nach oben führte eine Rolltreppe... es kursiert im Internet so ein gefaktes Bild aus den USA - hier ist es Realität.
Hinter der großen Einkaufshalle kam dann noch eine Überraschung: hier lag der große Busbahnhof von Santiago mit 70 Bahnsteigen. Es war die Hölle los, aber wohl geordnet. Mir kommen die Chilenen auch immer mehr wie die Deutschen von Südamerika vor – alles hat seine Ordnung. Aber es funktioniert und sorgt in diesem Trubel für einen reibungslosen Ablauf. Auf einem großen Platz – um ihn herum lagen die Busplätze – kommen und gehen die Busse im Minutentakt; dabei werden sie von eine großen Menge an Einweisern dirigiert. Das klappt reibungslos, ohne die Einweiser währe hier das nackte Chaos.
Vor den Haltebuchten lagen in einer Reihe die Schalter der einzelnen Gesellschaften; auf den Tafeln über den Fenstern konnte man ablesen, wer wohin fährt. Da es in Chile keine Eisenbahn gibt, fährt alles mit dem Bus. Die Überlandbusse sind komfortabel ausgestattet, mit Schlafsitzen, Fernseher und Toilette. Sie fahren fast überall hin, in fast alle Länder und Gegenden Südamerikas und sind dabei recht preisgünstig. Es gab natürlich auch eine Verbindung nach Valparaiso, nur war mein Fußweg hierher schon so lang ausgefallen (es war inzwischen fast Mittag), das es sich nicht mehr lohnte. Der Bus war schon weg, der nächste fuhr am späten Nachmittag und zurück dann am nächsten Tag. Das konnte ich also vergessen. Aber trotzdem hatte sich dieser weite Weg voll gelohnt, das Erlebnis hier in diesem „Bahnhof“ herum zu schlendern und sich einfach nur das Treiben anzuschauen, war schon faszinierend.
Zurück zum Hotel – aber nicht zu Fuß. Es gab ja die Metro. Also runter in den Untergrund von Santiago. Auf einem Plan erstmal die Richtung und die Station ausgesucht, dann zum Schalter – hier kauft man sein Ticket noch an einem Schalter, nix Automat. Ein Tagesticket kostet 380 Pesos, also rund € 0,60 , für die einfache Fahrt zu meinem Hotel bezahlte ich 170 Pesos – nicht der Rede wert... Die U-Bahn fährt im Abstand von ein paar Minuten und war recht gut gefüllt. Ok, ich wollte zum Zentrum, da wollen viele auch hin. Die U-Bahnstationen waren alle mit großen Wandgemälden geschmückt, es gab auch Hinweisschilder dazu; es ist eine Aktion der Metro von Santiago, Kunst in der Metro. Das macht so triste große unterirdische Hallen gleich viel freundlicher. Auffällig war außerdem der Zustand der Bahn: keine Grafiti, weder in den Wagen noch außen oder in den Bahnhöfen, keine dreckigen oder kaputten Sitze, keine zerkratzten Scheiben... alles sauber wie geleckt.
Etwas im Hotel ausgeruht, dann noch mal den Abendspaziergang vor dem Essen – an sich nur die Wartezeit überbrücken, bis das Restaurant aufmacht. In der Fußgängerzone und am Plaza de Armas tobt das Leben. Sehr viele Straßenmusikanten aller Art von Musik, ich schaue recht lange einer Indianertruppe zu, die professionell mit Notstromaggregat und Verstärker auftreten. Alle sind in voller Indianertracht und machen eine fantastische Musik – und absolut perfekt dargeboten (so mit Tänzen und allem, was dazu gehört). Nach einiger Zeit kaufe ich eine CD für umgerechnet € 4,50, auf dem Label steht, das die aus Ecuador kommen. Zu Hause in Bremen klingt das dann nicht mehr so gut, da fehlt wohl was das Urlaubsfeeling.. man kann gewisse Stimmungen halt nicht transportieren.
Zwei Ecken weiter hat eine einheimische Rockband ihre Anlage aufgebaut, die sind auch nicht schlecht, kommen aber gegen die Indianer nicht gegen an. Am Plaza de Armas ist eine federgeschmückte Truppe, die machen Blasmusik... so eine Mischung aus Karneval und Egerländer, absolut witzig. Daneben tritt ein Comedian auf, leider versteh ich nichts, aber er muss gut sein. Er ist von einer Menge Menschen umgeben die laufend laut lachen. Ein kleiner Bauchladen verkauft kleine Autos, die, wenn sie auf ein Hindernis treffen, automatisch umdrehen oder sich überschlagen und dann weiter fahren – es waren kleine Smarts! Im Strassenbild hatte ich die noch nicht gesehen, die gibt es hier wohl auch noch nicht. Auch Mercedes, BMW, Audi gibt es im allgemeinen Strassenbild nicht zu sehen. Vor dem Hilton Plaza fuhren als Luxuswagen mit Chaffeur Skoda Fabia vor! So schlendere ich dann wieder zurück Richtung Hotel. Jetzt ist Abendbrotzeit...
So. 5.August 2007 Heute ist Tag des Kindes – in dem kinderverrückten Land braucht es das normalerweise nicht, hier ist jeder Tag ein Tag des Kindes. Die Chilenen haben oft mehrere Kinder, schaffen es aber, jedes wie ein Einzelkind zu verhätscheln – eine Familie mit 3 Kindern hat sozusagen 3 Einzelkinder... Auf dem Plaza de Armas gibt es einen Stand, wo Eltern ihre Kinder als Mickey Mouse oder Barbie schminken lassen können – der Mann verdient richtig Geld. Ich habe rund eine halbe Stunde gegenüber in einem Straßencafé gesessen und das Treiben um mich herum beobachtet – in der Zeit hatte der Schminkstand gut 6 Kinder glücklich gemacht. Kinder dürfen hier fast alles und benehmen sich oft auch so. In einem Schaufenster gab es als absoluten Renner der Saison ein Computerspiel „Pocket Monster“, ich fand das passend...
In der Markthalle sprach mich wieder der Mensch aus Frankfurt von einem der Restaurants an – warum also nicht hier etwas essen? Die Kellner waren alle unwahrscheinlich nett, haben sich mit mir unterhalten und haben mich nebenbei ziemlich abgefüllt... ich bestellte einen gegrillten Fisch mit Meeresfrüchtesoße; die zwar sehr lecker war, aber leider den Fisch selber geschmacklich ziemlich überdeckt hat (also wenn noch einmal, dann gegrillten Fisch ohne die schwere Soße, ist um Längen besser). Dazu ein Bier. Vorher bekam ich noch einen Aperitif...und noch einen... dann kam das Essen. Danach gab es einen Kräuterschnaps auf das Haus und hätte ich nicht so gut Trinkgeld gegeben, wäre es auch bei dem einen geblieben... so gab es noch einen ziemlich großen hinterher – alles for free. Guter Dinge bin ich dann durch die langsam immer belebtere Fußgängerzone zurück zum Hotel. In der Fußgängerzone hatten inzwischen viele Stände aufgemacht, so eine Art Mini-Flohmarkt. Es gab Bücher, Münzen, Briefmarken, Spielzeug und viel Nippes. Bei den Büchern war auffällig, das es an fast jedem Stand Bücher über das Dritte Reich und/oder Adolf H. gab – scheint hier noch einen gewissen Eindruck zu machen. Wundert mich etwas, schließlich hatten die hier ihren Pinochet, der war ja so etwas Ähnliches – solche Menschen muss man nicht bewundern... An einem Münzstand eine goldene 100 Franc Münze aus Tahiti gekauft (Polynesischer Franc), als Geschenk gab ich ihm eine Euro-Münze, die kannte er komischerweise noch nicht.
Zurück im Hotel – relaxen... ist schließlich der letzte Tag, morgen geht es zurück nach good old Germany.
Mo. 6.August 2007 Alles klappt wie es soll: Weckdienst weckt pünktlich, Frühstücksraum ist nicht überfüllt, auschecken geht problemlos, an statt eines Taxis bringt mich der Hotelbus zum Flughafen, er schafft die Strecke in 20 Min.
Am Flughafen geht es so weiter: einchecken bei Swiss/Lufthansa in 5 Min., Passkontrolle 3 Min. inkl. Wartezeit, noch ein kleines Souvenir gekauft, dann in die Lounge. Hier gibt es Internet für free, leider fällt es nach 10 Min. aus – aber irgendwas ist ja immer... In Flieger ist es ziemlich leer, die meisten Leute steige wohl erst in Sao Paulo zu. In der Business Class sind gerade mal 10 Leute, auf die kommen 5 Flugbegleiter – ein optimaler Service ist also garantiert. Schau mer mal, ob es nach Sao Paulo so weiter geht.
Es gibt doch noch Abenteuer auf dieser Reise – in Sao Paulo müssen wir alle raus und dürfen nach rund 1 ½ Std. wieder einsteigen. Dabei wird uns unmissverständlich gesagt, alles (Handgepäck usw.) mitnehmen, es wird sonst garantiert geklaut. Nicht „es könnte geklaut werden“ sondern klare Aussage „es wird garantiert geklaut“ – die Reinigungstruppe nimmt alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Der Flughafen von Sao Paulo ist eine ziemliche Katastrophe. Wir waren ja nur ausgestiegen, um die Reinigungstruppe rein zu lassen, es gab aber keinen Warteraum bis zum wieder Einsteigen. Wir mussten richtig auschecken und wieder rein... Erst laufen wir einen nicht enden wollenden Gang entlang, wo von anderen gerade gelandeten Maschinen immer mehr Menschen dazu kamen. Dann müssen wir durch eine strenge Sicherheitskontrolle – wie sind wir denn bitteschön sonst hierher gekommen? Also alles auf ein Band, Gürtel aus (die Frau vor mir musste sogar die Schuhe ausziehen), alles durchleuchtet, dann sind wir wieder da, wo wir eigentlich herkommen – am Abfluggate zu unserer Maschine in einem riesigen ungemütlichen und hektischem Wartesaal. Ein Passagier hinter mir musste seine volle original verschlossene Dose Cola abgeben – verboten... 10m weiter (nach der Kontrolle) gab es Cola in Dosen tonnenweise zu kaufen... so kurbelt man also in Brasilien die Wirtschaft der Coladosen an...
Ok, etwas mehr als eine Stunde gewartet, dann kam das Boarding. Hier wollte die Frau am Eingang von mir einen gelben Transit-Zettel sehen. Es hatte aber beim Verlassen der Maschine keine Zettel gegeben... Den Mann vor mir hatte sie schon zurück zum Schalter geschickt. Ich war aber nicht so gut drauf, um das Spiel mitzumachen. Also erklärte ich ihr im Vorbeigehen, ich habe keinen gelben Zettel und es gab auch keine, als wir von Bord gingen, ob sie damit ein Problem hätte? Da ich dabei aber einfach weiter ging, sie rief mir irgendetwas Böses hinterher, was mich aber absolut nicht interessierte – dieser Flughafen macht schlechte Laune – erst diese völlig übertriebene Kontrolle mit den Schikanen (ok, ich war diesmal nicht direkt betroffen, was ich aber als reines Glück betrachtet habe), dann wollen die mich nicht wieder an Bord lassen – ich wollte hier einfach nur schnell weg.
Trotzdem kann so etwas die gute Laune nicht verderben. Das Essen an Bord entschädigte auch wieder voll und ganz. Es war einfach klasse. Jetzt noch 10 Stunden und ich bin in Zürich....
Di. 7.August 2007 Pünktlich in Zürich gelandet. Wieder in dem Shuttle-Zug auf dem Flughafen den muhenden Kühen gelauscht, dann kurz in die Lounge, etwas ausruhen. Nach einer Stunde Flug nach Frankfurt – das war´s denn. Deutschland hat mich wieder.
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