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- Santiago de Chile -
Viele Reiseführer sind sich einig: in Santiago ist nichts los, die Stadt ist langweilig und viele Meinungen dieser Art mehr. Da fragt man sich aber, wann diese Autoren das letzte Mal da waren. Zugegeben, Santiago protzt nicht mit seinen Sehenswürdigkeiten wie andere Städte es tun - aber generell zu sagen, die Stadt sei langweilig, tut ihr Unrecht. Man muss nur etwas genauer hinschauen, um die Highlights zu entdecken.
Eines dieser Highlights ist vielleicht nicht ganz unschuldig an dem Ruf Santiagos: es ist für eine Hauptstadt eines Landes und gleichzeitig Millionenstadt recht ruhig. Ok, es gibt auch hier quirlige und laute Einkaufsstrassen, gerade im Bankenviertel in der Fußgängerzone, aber trotzdem macht die Stadt im Vergleich mit anderen Metropolen eine eher ruhigen und beschaulichen Eindruck. Das liegt sicherlich auch daran, dass Santiago für den westlichen Touristen noch nicht so richtig erschlossen ist. Sie liegt erst einmal sehr weit weg, wenn wir Sommer haben (also Ferienzeit) ist dort Winter, die Anreise ist recht lang (ab Frankfurt via Zürich und Sao Paulo rund 19 Std.!) und der Flug auch dem entsprechend etwas teurer - also nicht gerade ein Ziel des europäischen Massentourismus. So ist auch die touristische Infrastruktur sehr auf südamerikanische und US-Amerikaner ausgelegt. Als Deutscher ist man dort eher der Exot. Aber gerade das macht ja den Reiz aus. Hier gibt es für uns, abseits des Massentourismus, wie wir ihn kennen, noch sehr viel Neues zu entdecken. Und nicht zu vergessen, Santiago ist auch eines der Sprungbretter in die Südsee; von hier kommt man zur Osterinsel und nach Tahiti. Auch für absolute Wintersport-Freaks sehr zu empfehlen, wo kann man schon wenn wir Sommer haben, im Hochgebirge Ski fahren? Die Skigebiete zählen zu den besten der Welt mit garantierter Schneesicherheit.
Santiago de Chile ist das wirtschaftliche, kulturelle und akademische Zentrum von Chile. Die Stadt liegt in einem Tal, umgeben von den schneebedeckten Gipfeln der Anden und einer Gebirgskette der pazifischen Küste am Fluss Rio Mapocho. Die meisten Sehenswürdigkeiten befinden sich im Zentrum. So gibt es mehrere elegante Fussgängerzonen, grüne Parks, eine schöne Markthalle mit guten Fischrestaurants, einen Aussichtsberg ähnlich wie in Rio (nur nicht mit einer Jesus-Statue, sondern einer der Jungfrau Marias), ein sehr schönes Bohemé-Viertel und vieles mehr.
Und nicht zu vergessen die bei klarer Sicht sehr nahen Berge mit beeindruckendem Panorama und viele Gebäude, die von der turbulenten Geschichte der letzten Jahrzehnte in Chile erzählen.
Der Platz überhaupt in Santiago ist der Plaza de Armas. Hier trifft sich jung und alt, es ist der Mittelpunkt der Stadt. Parkbänke laden zum Ausruhen ein, Schuhputzer bieten ihre Dienste an, in einer Ecke haben Kunstmaler ihre Stände aufgebaut - ein kleines Montmartré in Südamerika. Auch die wichtigen Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale, das Rathaus, San Francisco - die älteste Kirche der Stadt, die Hauptpost, das Nationalmuseum rahmen den Platz ein. Nur wenige Schritte entfernt ist die große Markthalle des Mercado Central mit seinen berühmten Fischrestaurants und die Moneda, der klassizistische Präsidentenpalast. Dieser Platz und seine Umgebung, mit netten Strassencafés, Bars und Musikkneipen ist eine Oase der Ruhe in der Hektik einer 5-Millionen- Grosstadt und Ausgangspunkt vieler Tagestouren durch diese Stadt.
Wer es richtig ruhig will, geht ein paar Meter weiter und besteigt den Hügel Santa Lucia, der einen kleinen grünen Park beherbergt. Von hier aus hat man in entspannter Atmosphäre einen gigantischen Blick auf die Altstadt. Oder man wagt sich an den 900m hohen San Cristobal, von dem aus die Sicht noch besser ist und den man auch mit einer uralten steilen Seilbahn (Funicular) erreichen kann; eine Zwischenstation ist der Zoo von Santiago. An windstillen Tagen liegt aber Santiago unter eine Dunstglocke, da lohnt die Fahrt nach oben nicht; man sieht fast nichts von der Stadt. Ein Tipp dazu: auf dem Weg z.B. von der Innenstadt nach Bellavista hinter dem Mercado Central einfach mal nach rechts schauen - sieht man die schneebedeckten Gipfel der Anden, kann man auf den San Cristobal hoch fahren; sieht man die Berge nicht, dann sieht man von oben die Stadt auch nicht.
Am Fuße des Aussichtsberges liegt das Bohemé-Viertel Bella Vista. Hier gibt es viele sehr schöne Bars, Restaurants, Cafes und Galerien. Zum Teil recht malerisch in fein herausgeputzten Innenhöfen, die zu einer kleinen Pause einladen. In den Strassen fallen die vielen bunt angemalten Häuser auf; dafür ist das Viertel berühmt.
Wer Santiago als Ausgangsbasis für eine Tour z.B. nach Patagonien, in die Atacamawüste oder nur in das nicht so weit entfernte Valparaiso nutzt, der kommt am Hauptbahnhof (Estacion Central) nicht vorbei. Der Bahnhof ist übrigens nach Plänen der Brüder Eiffel (die mit dem Turm in Paris) gebaut worden und ist daher schon architektonisch sehr interessant. Wobei man dort Züge nur sporadisch antrifft; der Bahnhof ist als erstes ein riesiges Einkaufszentrum mit hunderten kleiner Läden in den angrenzenden Hallen. Hier gibt es fast alles, von Lebensmitteln über Schmuck und Kleidung, Zeitungen und sogar ein Fitness-Studio im ersten Stock mit einer großen Rolltreppe davor...
Im hinteren Teil des Bahnhofs ist der große Busbahnhof von Santiago; mit über 70 Busplätzen und noch mehr Ticketschaltern der verschiedenen Busgesellschaften. Von hier aus fahren bequeme Überlandbusse fast überall hin - in alle Himmelsrichtungen und fast alle Länder dieses Kontinents. Ach ja, Züge verkehren auch - einige Vorortzüge und eine Handvoll Fernzüge nach Termuco (beim Lake District) und Talcahuano. In der Touristensaison gibt es dann noch einige Sonderzüge, z.B. den Transpacifico oder nostalgische Dampfzüge zu den Weingütern.
Um zu diesem Bahnhof zu gelangen, kann man von der Innenstadt laufen - was sehr lange dauert und auch recht langweilig ist - oder man benutzt die sehr gute und noch fast neue U-Bahn. In Santiago de Chile gibt es ein U-Bahnsystem mit fünf Linien. Die Fahrscheinpreise variieren je nach Tageszeit; zwischen 07.15 und 09.00 Uhr sowie zwischen 18.00 und 19.30 Uhr muss mehr gezahlt werden. Es gibt noch richtige Ticketschalter, keine Automaten, mit denen hier zu Lande schon niemand richtig klar kommt... die günstigste Variante ist übrigens das Mehrfahrtenticket. Die U-Bahn Stationen, sowie auch die Bahnen selber, sind picobello sauber, keine Grafiti oder sonstige Auswüchse, wie sie bei uns schon fast selbstverständlich sind. Übrigens - das Ticket nicht zu früh wegwerfen; man braucht es auch, um wieder aus der U-Bahn Station heraus zu kommen... Neben der Metro gibt es die sogenannten gelben "Micro"-Busse, schwarz-gelbe Taxis und Sammeltaxis, die auf festen Routen, aber ohne festen Zeitplan verkehren. Die U-Bahnen und Busse haben Einheitsfahrpreise, Sammeltaxis sind teurer. Die Taxen in Santiago zeichnen sich durch hervorragenden Service und Ehrlichkeit aus - ich bin schon fast überall auf dieser Welt von Taxifahrern übers Ohr gehauen worden, in Santiago nie!
Wer möchte, kann sich auch eine Leihwagen nehmen. Die
sind nicht teurer als anderswo auch und der Verkehr ist recht harmlos.
Mietwagen sind natürlich am Flughafen - oder einfach bei der
Hotelrezeption nachfragen, da liegen meist mehrere Prospekte aus. Es
wird ein Mindestalter von 25 Jahren festgesetzt. Manche Vermieter haben
auch ein Höchstalter definiert. Die Gebühren setzen sich aus dem
Tagessatz, Kilometergeld und 20% Steuern zusammen. Meist müssen auch
hohe Kautionen hinterlegt werden. Eine Kreditkarte ist für die Anmietung
erforderlich. Eine Vollkaskoversicherung ist meistens nicht inbegriffen.
Straßenkarten kann man im Zeitschriftenladen in der Fußgängerzone kaufen
oder man wendet sich an den Automóvil Club de Chile, Avenida
Vitacura 1753, Santiago de Chile. Tel: (02) 431 10 00.(Internet:
www.automovilclub.cl).
Ansonsten gibt es noch ein nationales Hobby in Santiago: Shoppen. Im Osten der Stadt gibt es riesige Einkaufszentren, zum Teil 3 stöckig mit rund 1000 kleinen Läden und Ständen. Am Sonntag flanieren hier die Familien aus Santiago und Umland in Massen. Alleine das zu beobachten lohnt sich schon.
Beim Flanieren sollte man als Tourist aber auch etwas aufpassen; hier gibt es kleine Kinderbanden, wo man von einem oder zwei mit kleinen Remplern oder auch Bettelversuchen abgelenkt wird - und von hinten kommen die mit den Rasierklingen und schneiden die Rücksäcke auf... aber diese Art von Kriminalität gibt es mehr oder weniger überall auf der Welt. Aber abgesehen von Taschendiebstahl hat Santiago erstaunlich wenig Kriminalität. Überfälle, gerade auf Touristen, kommen sehr selten vor. Am Plaza de Armas, der früher für Taschendiebstähle berühmt berüchtigt war, patrolliert jetzt berittene Polizei, damit ist dort auch sofort Ruhe eingekehrt (die sehen auch nicht so aus, das ich freiwillig mit denen Ärger haben möchte). Ansonsten sollte man, wie überall auf der Welt, einige Ratschläge beherzigen und z.B. nicht mit teuren Fotoapparaten durch ein Elendsviertel laufen. Die Menschen dort sind in der Regel nicht besonders glücklich, dort wohnen zu müssen und möchten ihr Elend nicht auch noch als "Lokalkolorit" abgelichtet haben. Einige denken da auch pragmatischer und freuen sich, wenn ein dummer Tourist das Beutegut gleich persönlich anliefert... auch das Herumlaufen einiger Frauen mit teurem Schmuck weckt in einigen Gegenden Gelüste - nicht auf die Frauen, davon haben die selber genug... mehr auf den Schmuck. Aber das ist inzwischen in deutschen Städten und den entsprechenden Wohnvierteln auch nicht anders. Was mir dabei noch auffiel: man sieht so gut wie keine Bettler und/oder Junkies im Strassenbild.
Alles in allem eine sehr schöne, etwas ruhige Stadt, die aber sehr reizvoll ist. Die Menschen sind nett und freundlich, das Wetter meist gut und die Gegend drum herum traumhaft. Ob als Ausgangsbasis für eine Fahrt z.B. nach Patagonien oder in die Atacamawüste, oder als Sprungbrett in die Südsee - Santiago de Chile ist durchaus eine Reise Wert.
Eine sehr schöne Seite mit ausführlichen Infos speziell für Backpacker: hier klicken Ein Link mit ausführlichen Reiseinformationen: hier klicken Hier ein interaktiver Stadtplan Santiagos: hier klicken
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