toebert.de

Reisefotografie - Reiseberichte - Tauchreisen - Unterwasserfotografie

Startseite

Bildergalerien

Reiseberichte/Infos

Fotografie

Tauchen

Gewässerkunde

UW-Bildlexikon

Downloads

Links

 

Impressum

 

Blitz oder Lampe?

 

Schon seit längerer Zeit gibt es spezielle Unterwasserblitze, die an die jeweiligen Kameramodelle angepasst sind bzw. Gehäuse für Systemblitzgeräte der Hersteller - TTL ist hier das Zauberwort. Dabei wird das vom Objekt zurück geworfene Licht in der Kamera gemessen und die weitere Blitzdauer bestimmt.

Das funktioniert über Wasser recht gut, nur unter Wasser kommen da einige Faktoren zum Tragen, die in einigen Fällen zu Fehlbelichtungen führen (meist Überbelichtung). Man kann aber mit einiger Erfahrung, die man sich sehr schnell durch Ausprobieren aneignen kann, den Blitz auf "Manuell" stellen und damit solche Situationen entschärfen. Wer noch einen älteren Blitz oder ein nicht TTL-Modell besitzt, ist sowieso auf eine manuelle Steuerung angewiesen und hat normalerweise auch die Erfahrung, damit gute Ergebnisse zu erzielen.

Trotzdem taucht immer wieder in einigen Foren im Internet die Frage auf, ob nicht eine Dauerlichtquelle - also eine Lampe - genauso gut oder gar besser geeignet sei; in der Videografie ist diese Beleuchtung ja die einzig mögliche Art der Beleuchtung und auch ausgereift. Letztlich ist eine Digitalkamera technisch gar nicht soweit von einer digitalen Videokamera entfernt. Beide erzeugen durch einen Sensor elektrische Signale, die als bewegte oder unbewegte Bilder digital abgespeichert werden. Der "Weißabgleich", früher nur bei Videokamera gebräuchlich, ist heute auch gängiges Gesprächsthema bei digitalen Fotografen. Der Weißabgleich legt jenen digitalen Wert fest, der als die Farbe "Weiß" definiert wird. Hiermit lässt sich ein Farbstich korrigieren. Genutzt wird dies, um die Farben der Aufnahme an die "Farben" der Lichtquelle anzupassen - also ideal, um das Problem der Farbverschiebung bei Dauerlicht zu korrigieren. Somit stünde technisch gesehen nichts im Weg, als auch mit Dauerlicht digital zu fotografieren.

In der Praxis hat sich aber Dauerlicht bei digitalen Unterwasserfotografen bisher nicht durchgesetzt. Nur im Macrobereich ist es durchaus sinnvoll mit Dauerlicht zu arbeiten, da gerade hier mehrere Faktoren zum Tragen kommen, die ein Bild schnell versauen können. Zum einen sind die Blitzgeräte oft von den Abmessung recht groß und man kann im Macrobereich, wo der Abstand von der Frontlinse des Ports zum Objekt manchmal nur wenige cm beträgt, mit dem sperrigen Blitz das Objekt nicht vernünftig ausleuchten. Zum anderen versagt hier oft die TTL-Technik und man erhält ein überbelichtetes Bild, da der Blitz schon zu Anfang viel zu intensiv ist, als daß eine schnelle Abregelung durch TTL da noch helfen könnte. Eine weitere Fehlerquelle ist noch der Umstand, daß der Autofokus ausreichend Licht braucht, um scharf zu stellen; wird aber das Objekt durch den Fotografen bzw. das voluminöse Kameragehäuse abgedeckt (verdunkelt), benötigt man eine Pilotlampe, damit die Kamera scharf stellen kann.

Warum dann nicht gleich die Pilotlampe als endgültige Lichtquelle nutzen? Im RAW Modus ist es ja kein Problem, eine eventuelle Farbverschiebung durch die Farbtemperatur der Lichtquelle in der späteren Bearbeitung am Computer wieder auszugleichen. Und auch bei Kameras, die über keinen RAW-Modus verfügen, sondern die Bilder als JPG abspeichern, stellen die modernen Bildbearbeitungsprogramme entsprechende Korrekturmöglichkeiten zur Verfügung.

Eins muss man dabei aber beachten: die Lampe darf keinen ausgeprägten kleinen Spot haben, sondern muss ihr Licht über einen gewünschten Bereich gleichmäßig und ohne Dunkelzonen abgeben. Viele Lampen schaffen das leider nicht und sind daher ungeeignet.

Hat man eine Lampe gefunden, die alle Kriterien erfüllt, bietet sie eine gute Möglichkeit, im Macrobereich zu guten Bildern zu kommen - wohlgemerkt, wir reden hier bisher nur vom Macrobereich. Hier sind gute Lampen den Blitzgeräten durchaus ebenbürtig, manchmal sogar besser.

In den anderen Bereichen der Unterwasserfotografie haben sich Lampen bisher nicht durchsetzen können. Das liegt daran, daß keine Lampe, und sei sie noch so hell, an die Lichtleistung eines Blitzgeräts heran kommt. Der Blitz gibt sein Licht zwar nur in Sekundenbruchteilen ab, dafür aber ungleich heller, als es jede normale Taucherlampe schaffen kann. So gesehen reicht das Licht einer Lampe unter Wasser nicht aus. Der Verlust ist im Medium Wasser zu groß, bedingt durch das Medium Wasser als solches und wird noch verstärkt durch darin enthaltene Verunreinigungen (Schwebeteilchen etc.). Das Licht legt dabei den Weg ja doppelt zurück: einmal von der Lampe zum Objekt und von dort (reflektiert) zurück zum Auge des Betrachters bzw. zur Kamera. In Folge dessen legt das Licht bei einem Objekt in 5m Entfernung 10m zurück. Da kommt nicht mehr viel an. Mit den Lichtverlusten unter Wasser haben übrigens auch Blitzgeräte zu kämpfen; eine Rifflandschaft auf nur 5m Entfernung mit einem Blitz auszuleuchten, kann man getrost vergessen... über Wasser wäre das überhaupt kein Problem.

Auch ist die Ausleuchtung mit einem Blitz in der Fläche gleichmäßiger, die meisten Lampen haben einen deutlich sichtbaren Hotspot in der Mitte mit einem mehr oder minder hellen Lichthof darum herum. Einige Modelle haben in diesem Lichthof noch partielle Abschattungen durch z.B. Verunreinigungen auf dem Reflektor und sind für fotografische Zwecke denkbar ungeeignet. Diese ungleiche Lichtverteilung wäre im späteren Bild mehr oder minder deutlich sichtbar, solche Bilder kann man normalerweise vergessen.

So gesehen kann man einen guten Blitz je nach Entfernung auch nur zur partiellen Beleuchtung z.B. eines Korallenblocks innerhalb einer Rifflandschaft nutzen; eine Lampe ist hier hoffnungslos überfordert. Was da für das menschliche Auge noch "hell" aussieht, ist für eine Kamera immer noch zu dunkel. Das menschliche Gehirn "erfindet" auf Grund von Erfahrungswerten scheinbar sichtbare Dinge hinzu, die wir normalerweise gar nichts mehr sehen können, weil ausreichend Licht fehlt. Eine Kamera hat diese Intelligenz nicht und zeigt uns schonungslos, wo es mangelt.

Fazit:
Lampen als Blitzersatz sind in der Unterwasserfotografie nur im Makrobereich sinnvoll - sie müssen dabei aber auch recht strenge qualitative Kriterien erfüllen. In allen anderen Bereichen kann man Blitze unter Wasser, zumindest im bezahlbaren Amatuerbereich, noch nicht durch Lampen ersetzen.

 

>>nach oben<<